Wie breit ist ein Signal?
Jedes Signal hat Ausläufer, die nie ganz aufhören. Wie breit es ist, hängt deshalb davon ab, wo du schneidest. Die belegte Bandbreite ist der Bereich, in dem 99 % der Leistung liegen, je ein halbes Prozent bleibt links und rechts draußen. Für Störungen auf dem Nachbarkanal sagt die Breite bei −40 oder −60 dB mehr: Dort entscheidet sich, ob jemand 1 kHz neben dir dein Signal noch hört.
AM und SSB
AM legt die Tonfrequenz links und rechts neben den Träger, das Signal ist doppelt so breit wie die höchste Tonfrequenz, bei 2,7 kHz also 5,4 kHz. Bei 100 % Modulation mit einem Ton steckt 2/3 der Leistung im Träger, der keine Nachricht trägt. Über 100 % reißt die Hülle ab: Der Sender schweigt kurz, und an jeder Abrisskante entstehen Ausläufer weit neben dem Kanal. SSB lässt Träger und ein Seitenband weg und kommt mit der einfachen Tonbandbreite aus.
FM
Bei FM wird die Frequenz geschoben, die Hülle bleibt gleich. Das Spektrum hat Linien im Abstand der Tonfrequenz, ihre Höhen folgen den Besselfunktionen des Modulationsindex β = Hub / Tonfrequenz. Bei β = 2,405 verschwindet der Träger ganz, so stellt man den Hub nach Gehör ein. Die Faustformel von Carson für die Bandbreite: 2 · (Hub + höchste Tonfrequenz). Mit 2,5 kHz Hub und 3 kHz Ton sind das 11 kHz, das passt in das 12,5-kHz-Raster.
CW und Tastklicks
CW schaltet den Träger ein und aus. Bei 25 WpM dauert ein Punkt 48 ms, nötig wären rund 104 Hz Bandbreite. Schaltet der Sender hart, also in weniger als einer Mikrosekunde, reicht das Spektrum bei −60 dB rund 6,6 kHz weit: Das sind die Tastklicks, die auf dem Nachbarkanal knacken. Eine Kosinusflanke mit 5 ms Anstieg bringt die Breite bei −60 dB auf rund 440 Hz, mit 1 ms sind es 1,3 kHz, mit 10 ms 250 Hz. Gauß- und Kosinusflanke liegen nah beieinander, eine gerade Rampe hat Knicke und reicht weiter.
Wenn die Endstufe begrenzt
Die schönste Flanke hilft nichts, wenn die Endstufe danach übersteuert wird. Sie schneidet die Kuppe ab, aus der runden Flanke wird wieder eine Kante. Mit 6 dB zu viel Ansteuerung an einer hart begrenzenden Stufe geht die Breite bei −60 dB von rund 440 Hz auf rund 890 Hz. Bei SSB ist es dasselbe: Zwei Töne durch eine weich sättigende Endstufe ergeben am Anschlag Mischprodukte von −25 dB unter den Tönen, 3 dB zurück −35 dB, 6 dB zurück −46 dB, 10 dB zurück −62 dB. Das ist der Splatter, den der Nachbar hört. Was eine Endstufe auf den Oberwellen abgibt, misst du mit Oberwellen messen.
FSK
RTTY mit 45,45 Bd und 170 Hz Shift braucht nach der ITU-Formel B + 2,4 · Hub rund 250 Hz. Springt die Phase bei jedem Wechsel, wird das Signal deutlich breiter: bei −40 dB rund 1600 Hz statt 650 Hz bei stetiger Phase. Deshalb erzeugen gute Sender FSK mit stetiger Phase.