Alles rauscht
Jeder Widerstand rauscht, weil seine Elektronen sich mit der Wärme bewegen. Die Leistung, die er abgibt, ist k · T · B: Boltzmann-Konstante mal Temperatur mal Bandbreite. Bei 290 K, der üblichen Bezugstemperatur T0, sind das in 1 Hz −174 dBm, in 2,4 kHz −140,2 dBm. Weniger Rauschen als diese Grundlast geht bei Zimmertemperatur nicht, und jeder Verstärker legt noch etwas dazu.
Rauschzahl
Die Rauschzahl NF sagt, um wie viel dB eine Stufe das Verhältnis von Signal zu Rauschen verschlechtert, wenn an ihrem Eingang genau die Grundlast von 290 K anliegt. Ein Empfänger mit 8 dB macht aus 20 dB S/N also 12 dB. Für gute Vorverstärker ist die Zahl unhandlich: 0,3 dB, 0,5 dB, 0,7 dB sehen alle nach fast nichts aus.
Rauschtemperatur
Deshalb rechnet man mit der Rauschtemperatur Te = 290 K · (F − 1), F = 10^(NF/10). Sie sagt, wie warm ein Widerstand am Eingang sein müsste, um so viel zu rauschen wie die Stufe selbst. 0,5 dB sind 35 K, 1 dB 75 K, 3 dB 289 K, 8 dB 1540 K. Temperaturen lassen sich einfach addieren, Rauschzahlen nicht.
Kabel und Filter
Was dämpft, rauscht auch. Ein Kabel bei Zimmertemperatur mit 3 dB Dämpfung hat genau 3 dB Rauschzahl, also 289 K. Es schluckt die Hälfte des Signals und legt Rauschen seiner eigenen Temperatur dazu. Im Block Kabel und Filter kannst du die Temperatur einstellen: Ein Kabel im Winter am Mast rauscht etwas weniger.
Was die Antenne sieht
Auch die Antenne bringt Rauschen mit, ihre Antennentemperatur. Ein Spiegel für 10 GHz sieht kalten Himmel und über die Nebenkeulen ein wenig Boden, zusammen 30 bis 60 K. Auf 2 m rauscht die Milchstraße, je nach Richtung etliche hundert K. Auf Kurzwelle kommt das Bandrauschen dazu: Gewitter, Galaxis und vor allem Netzteile, Leitungen und Geräte in der Nachbarschaft. Die Seite rechnet es nach der ITU-Empfehlung P.372 als Fa in dB über der Grundlast. Ländlich auf 20 m sind das gut 35 dB, also knapp eine Million K. Dagegen verschwindet jeder Empfänger.
Die Summe aus Antennentemperatur und Rauschtemperatur der Kette ist die Systemtemperatur. Aus ihr folgt das Rauschen, gegen das sich jedes Signal behaupten muss.