Langsamer als Licht
Im Kabel läuft ein Signal nicht mit Lichtgeschwindigkeit, sondern langsamer: Das Isoliermaterial zwischen Innenleiter und Schirm bremst es. Um wie viel, sagt der Verkürzungsfaktor VF. Bei RG58 und RG213 mit massivem Polyethylen ist er 0,66, bei geschäumtem Dielektrikum um 0,8 bis 0,85, bei Hühnerleiter mit fast nur Luft um 0,9.
Mit VF 0,66 braucht das Signal für einen Meter 5,05 ns. 15 m RG58 hin und zurück dauern also 151,6 ns. Genau das misst ein TDR: Es schickt einen steilen Sprung hinein und schaut, wann und wie etwas zurückkommt.
Elektrische Länge
Weil das Signal langsamer läuft, ist auch die Wellenlänge im Kabel kürzer. Ein λ/4-Stück RG58 für 14,2 MHz ist nicht 5,28 m lang, sondern 0,66 mal so viel, also 3,48 m. Wer eine Stichleitung oder einen Transformator aus Kabel baut, muss den VF kennen. Kennst du ihn nicht, miss ihn: Bei bekannter Länge liefert die Zeit bis zum Echo den VF, bei bekanntem VF die Länge.
Kabellänge messen
Die Vorlage „Kabellänge messen“ schickt einen kurzen Impuls in 30 m RG213 mit offenem Ende. Das Echo kommt nach 303,2 ns. Mal 0,66 mal Lichtgeschwindigkeit und geteilt durch zwei (hin und zurück) gibt das wieder 30,0 m. So findet man auch eine Quetschstelle im Kabel im Mast, ohne hinaufzusteigen. Im TDR-Bild kannst du die Achse auf Meter umstellen: Dann rechnet die Seite mit dem VF jedes Stücks.
Dämpfung
Jedes Kabel schluckt einen Teil der Leistung, hohe Frequenzen mehr als tiefe. Ein steiler Sprung enthält viele hohe Frequenzen. Nach einem langen, dünnen Kabel kommt er deshalb flacher an: Das Echo steigt erst schnell, dann kriecht es langsam auf den Endwert. Der Simulator rechnet die Dämpfung wie die Hautwirkung, sie wächst mit der Wurzel aus der Frequenz. Das trifft die Datenblätter im Kurzwellen- und unteren UKW-Bereich gut. Darüber kommen die Verluste im Dielektrikum dazu, die hier fehlen: RG174 hat laut Datenblatt bei 100 MHz 33 dB je 100 m, hier sind es 31,4.