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Mehr Prüfungen, trotzdem weniger Funkamateure

Was 124 Ausgaben der Rufzeichenliste und 315 Fassungen der Terminliste über den Amateurfunk in Deutschland verraten.

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht zwei Listen, die sie regelmäßig ersetzt: die Rufzeichenliste mit allen zugeteilten Rufzeichen und die Liste der kommenden Prüfungstermine. Wer alte Fassungen aus dem Internet Archive zusammensucht, bekommt daraus eine ziemlich genaue Geschichte der letzten zehn Jahre. Für die Statistikseite habe ich 124 Ausgaben der Rufzeichenliste seit 2016 und 315 Fassungen der Terminliste seit 2015 ausgewertet, dazu die Jahresstatistik der Bundesnetzagentur seit 2000. Hier steht, was man daraus ablesen kann.

Der Rückgang ist gebremst, nicht gestoppt

2002 gab es in Deutschland 80.874 Funkamateure mit Zulassung, 2022 noch 61.139. Das ist fast ein Viertel weniger in zwanzig Jahren, ziemlich gleichmäßig rund tausend im Jahr. Danach blieb die Zahl drei Jahre lang stehen: 60.736 Ende 2023, 61.315 Ende 2024, 61.105 Ende 2025.

Seit Mitte 2025 geht es wieder leicht nach unten. Der höchste Stand in der Rufzeichenliste lag im Juni 2025 bei 61.509, heute sind es 60.918. In den letzten zwölf Monaten kamen 2.546 persönliche Rufzeichen dazu, 3.063 fielen weg.

Hinter der stabilen Summe verschieben sich die Klassen deutlich:

Klasse 2005 heute
A 68.603 50.471
E 5.982 9.303
N 1.144

Klasse A schrumpft seit Jahren; nur 2024 kamen knapp mehr A-Rufzeichen dazu als wegfielen. 2025 fielen 1.751 aus der Liste, 795 kamen neu hinzu. Einen Grund nennt die Liste nicht, aber der naheliegende ist das Alter der Inhaber. Klasse E wächst dagegen stetig; ihr Anteil stieg von acht auf gut fünfzehn Prozent. Klasse N gibt es seit Juni 2024, sie steht schon bei über tausend Rufzeichen.

Deutlich gewachsen sind auch die Ausbildungsrufzeichen, von 995 im Jahr 2005 auf 4.786 Ende 2025. Klubstationen bleiben dagegen seit zwanzig Jahren bei rund 2.900.

Der Einstieg boomt

Die Zahl der Prüflinge hat sich innerhalb von drei Jahren verdreifacht: 770 im Jahr 2021, 2.291 im Jahr 2024, 2.261 im Jahr 2025. Das Wachstum kommt über die Einsteigerklassen. 2025 bestanden laut Bundesnetzagentur 753 Prüflinge die Klasse N, 706 die Klasse E und 631 die Klasse A. Insgesamt wurden 2.101 Zeugnisse ausgestellt, das sind rund 93 Prozent der Prüflinge. Eine amtliche Bestehensquote je Klasse gibt es nicht, aber durchfallen ist offenbar die Ausnahme.

Klasse N funktioniert dabei als Zubringer. Schon 2025 verschwanden 209 N-Rufzeichen wieder aus der Liste, nach gut einem Jahr Klasse N. Das dürften fast alle Aufsteiger nach E sein, denn ein Klassenwechsel bringt immer ein neues Rufzeichen: In 124 Ausgaben der Liste hat kein einziges Rufzeichen seine Klasse gewechselt. Das Rufzeichen gehört zur Klasse, DN9… ist N, DO… und DA6… sind E. Andere Reihen gibt es für Klasse E nicht: 8.897 E-Rufzeichen beginnen mit DO, 406 mit DA6.

Unterm Strich reicht der Zulauf trotzdem nicht. 2024 kamen gut 2.000 neue persönliche Rufzeichen dazu und rund 1.400 fielen weg, 2025 standen 2.230 neuen schon 2.425 Abgänge gegenüber. Neue Rufzeichen sind dabei nicht gleich neue Menschen: Aufsteiger, Rufzeichenwechsel und Rückkehrer stecken mit drin.

Doppelt so viele Prüfungstermine, gleich schnell ausgebucht

Die Bundesnetzagentur hat auf den Andrang reagiert. Bis 2021 fanden 80 bis 108 Prüfungen im Jahr statt, seit 2022 sind es 168 bis 198. Trotzdem sind die Plätze schnell weg: Ein freier Termin ist im Median nach 20 bis 23 Tagen ausgebucht, und daran hat sich seit 2022 nichts geändert. Veröffentlicht werden die Termine rund zwei Monate vorher, 2026 im Median 76 Tage. Wer prüfen will, sollte sich also in den ersten drei Wochen nach Erscheinen eines Termins anmelden.

Die Last ist sehr ungleich verteilt. Dortmund nimmt mit 33 Prüfungen im Jahr 2025 etwa jede sechste Prüfung in Deutschland ab, dahinter folgen Eschborn und Hamburg. Berlin ist von 30 Prüfungen 2022 auf 13 im Jahr 2025 gefallen, zuletzt wegen Bauarbeiten; Göttingen sank von 16 auf 7. Cottbus ist 2026 neu dazugekommen. Geprüft wird fast nur montags, dienstags und samstags; Donnerstag und Sonntag kommen praktisch nicht vor.

Wie stark ein Stichtag wirkt, zeigt der April 2024. Die Prüfungen mit dem alten Fragenkatalog endeten am 30. April, danach war bis Ende Juni Pause. Im April fanden 54 Prüfungen statt, im Mai keine.

Im Vergleich

Auf eine Million Einwohner kommen in Deutschland 730 Funkamateure, in Österreich 780. Die USA liegen bei rund 2.100, Japan bei rund 2.700. Ganz vergleichbar sind die Zahlen nicht, weil die Länder Verschiedenes zählen: Deutschland Zulassungen, die USA Lizenzen, Japan Funkstellen. Die Größenordnung ist aber klar.

Was die Daten nicht hergeben

Die Terminliste zeigt immer nur kommende Termine, die Geschichte ergibt sich aus archivierten Kopien. Von 2022 an sind darin 94 bis 97 Prozent aller Prüfungen enthalten, davor je nach Jahr nur ein Fünftel bis drei Viertel. Aussagen zu einzelnen Standorten stützen sich deshalb auf 2022 bis 2025.

Die Rufzeichenliste sagt nichts über Alter, Geschlecht oder Aktivität. Dass Klasse A vor allem durch das Alter schrumpft, ist eine naheliegende Deutung, keine Zahl.

Alle Zahlen und Diagramme stehen auf der Statistikseite, dort auch mit Tabellen zum Nachrechnen. Quellen: Rufzeichenliste und Terminliste der Bundesnetzagentur (ältere Fassungen über das Internet Archive), die Jahresstatistik „Amateurfunk in Deutschland“ der Bundesnetzagentur 2000 bis 2025, für den Ländervergleich ARRL nach Daten der FCC, das japanische Kommunikationsministerium, das österreichische Fernmeldebüro und die Weltbank.

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