Ein Spiegel aus Elektronen
Die Sonne reißt in 60 bis 500 km Höhe Elektronen von den Atomen der dünnen Luft. Wo genug freie Elektronen sind, werden Kurzwellen gebrochen: Ein schräg einfallender Strahl biegt sich immer weiter zur Erde zurück, bis er waagerecht läuft und wieder herunterkommt. Wie stark eine Höhe bricht, sagt ihre Plasmafrequenz. Liegt die Frequenz deines Signals darunter, reicht schon ein senkrechter Strahl zum Umkehren.
Die Elektronen sind nicht gleichmäßig verteilt, sondern in Schichten. Im Bild links ist jede Höhe so hell gefärbt, wie viele Elektronen dort sind. Fahr mit dem Zeiger hinein, dann steht unten die Plasmafrequenz dieser Höhe.
D, E, F2
D-Schicht (60 bis 90 km): nur am Tag. Sie bricht kaum, schluckt aber, weil die Elektronen dort oft mit Luftteilchen zusammenstoßen und die Energie als Wärme abgeben. Tiefe Frequenzen trifft das am härtesten, grob mit eins durch f². Darum ist 80 m mittags über weite Strecken tot und abends offen.
E-Schicht (um 110 km): am Tag eine Grenzfrequenz um 3 bis 4 MHz, nachts fast weg. Flache Strahlen auf 40 m kehren oft schon dort um. Dazu kommen im Sommer dichte Wolken in der E-Schicht, das Sporadic E, die 10 m, 6 m und manchmal 2 m über 1000 bis 2000 km bringen.
F2-Schicht (etwa 250 bis 400 km): die wichtigste für DX. Ihre Grenzfrequenz foF2 misst eine Ionosonde, die senkrecht nach oben funkt und auf das Echo hört. Je nach Tageszeit und Sonnenaktivität liegt sie zwischen 2 und über 12 MHz. Die Höhe hmF2 bestimmt, wie weit ein Sprung reicht.
Was das Modell weglässt
Gerechnet wird mit einer runden Erde und einer Ionosphäre, die überall gleich ist. Jeder Sprung ist darum gleich lang. In Wirklichkeit ändert sich die Ionosphäre entlang des Wegs, besonders an der Grenze zwischen Tag und Nacht. Das Erdmagnetfeld fehlt ebenfalls: In echt teilt es jedes Signal in zwei Wellen mit etwas verschiedenen Grenzfrequenzen. Für ein Gefühl, wie Winkel, Frequenz und Schicht zusammenhängen, reicht das.